Was tue ich hier eigentlich?

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Erst mal vorab, der Beitrag dient dem therapeutischen Schreiben, also erwartet euch bitte nicht zu viel davon, vor allem aber nicht, dass man nach dem Lesen noch durchblickt…

 

In der heutigen Zeit, mit dem Internet als unendliche Informationsquelle, Dr. Google als Problemlöser oder Problem-Einreder, den diversen Foren und Gruppen als Hilfe oder als Fluch, wissen wir einfach viel mehr, als wir vielleicht sollten. Die Leichtigkeit und Unbedarftheit ist einfach futsch. Kommt auch nie wieder. Basta.

Und es gibt so Tage, da hört das depperte Hirn wieder nicht mit seinem Gedanken-Tourette auf, und man kommt nicht umhin, viele Dinge kritisch zu betrachten.

Ich versuche mal, meine Gedanken etwas Chronologisch zu sortieren.

 

Die Behandlung: 

Wir ballern uns selbst mit Hormonen zu ohne Ende, um jede Menge befruchtbare Eizellen zu „züchten“, kasteien unsere Männer, um einen Hauch von besserer Spermienqualität zu erzielen, sind angespannt, streiten uns, hoffen, fallen, hoffen und fallen wieder. Wir sind bereit, das alles X Male durchzuziehen, um unseren vermeintlich größten Wunsch, den Wunsch nach einem gemeinsamen Kind, zu erfüllen. Ob es je klappen wird, das weiß wohl keiner vorher. Und wenn es klappt, was kommt dann?

Ja, es ist den ganzen Stress wert, das möchte ich auch nicht absprechen, aber manchmal fragt man sich doch: „Was tue ich hier eigentlich?“…

 

Was kommt dann?

Was danach passiert – so die Behandlung erfolgreich verläuft – kann man natürlich nie sagen, dennoch macht man sich so seine Gedanken.

Man hat ja sowohl im Umkreis, als auch sonst wie immer mal Kontakt mit Müttern. Worüber reden die Mütter? Klar, eher selten über das, was schön ist, denn das läuft – wie im Leben so oft – meist nebenbei. Nein, man redet über die Schattenseiten.

„Das ist jetzt die dritte Nacht ohne Schlaf, ich funktioniere nur noch, Leben kann man das nicht nennen“, und „Seit 3 Wochen sind die Kinder eins nach dem anderen krank, ich komme nicht mehr raus, ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal eine Minute für mich hatte, und der Mann ist auch nur arbeiten“. „Das Kind schreit nur. Den ganzen Tag und die ganze Nacht. Hört das je auf?“ und „Ich bin selbst todkrank, kann mich kaum rühren, aber es geht schon. Ich muss mich ja kümmern, macht ja sonst keiner…“
Und von Müttern mit älteren oder Erwachsenen Kindern hört man nur „Kinder sind anstrengend, überleg dir das gut!“ oder „Ich bin ja soooo froh, dass die Kinder ENDLICH aus dem Haus sind…“.

Wenn man sich das so verinnerlicht, überlegt man sich wieder „Was tue ich hier eigentlich?“… Bin ich stark genug, das zu leisten? Und vor allem, ist das alles? Ist das wirklich alles? Ist ein Kind nicht mehr als ein schreiendes, dauer-krankes Wesen, das mir den Schlaf raubt, mich zum wandelnden Zombie macht und mich völlig alleine und hoffnungslos dastehen lässt, heulend und hoffend, dass der Tag schnell rum geht?

Wenn das so ist, dann bitte, haltet mich davon ab weiter zu machen.

 

Bin ich bereit dafür? Bin ich bereit, mich zu 100% aufzugeben, meine Ehe beiseite zu stellen und zu hoffen, dass mein Mann vielleicht trotzdem bei mir bleibt, auch wenn ich nicht mehr existiere? Bin ich bereit, alles aufzugeben was ich habe? Schöne Abende mit Freunden, einen spontanen Spaziergang durch den Wald, einen ruhigen Abend vor dem TV, und einfach mal um 21 Uhr bereits einschlafen, einen spontanen Trip ans Meer…

 

Ich weiß nicht, ob ich bereit bin. Ich weiß nur, für die nächsten Versuche ist das eine denkbar dämliche Voraussetzung, wenn ich innerlich nicht weiß, ob ich das alles will. Aber unter der Prämisse, dass wir die letzte ICSI bis September angefangen haben müssen, weil uns sonst die Zuzahlung flöten geht, macht man das halt einfach. Einfach machen, das ist die Devise. Und das ist der Plan.

 

Wir haben jetzt ein halbes Jahr, für eine Kryo und eine ICSI. Das ist leicht zu schaffen. So ziehen wir das durch. Aber was danach kommt, ich weiß es nicht und ich will es nicht wissen.

 

So, genug Gedankensalat für den Moment. Lasst den Beitrag einfach so stehen wie er ist, versucht nicht, daraus schlau zu werden, ich werde es ja selbst nicht.

*bussi*
believe

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5 Kommentare zu „Was tue ich hier eigentlich?

    Peach sagte:
    05/03/2016 um 12:14

    Danke für Deinen Beitrag. Genauso gehts mir auch und ich habe oft genau diese Gedanken. Drück Dich ♥

    Mrs. C sagte:
    05/03/2016 um 13:38

    Du sprichst mir aus der Seele! Es ist genau aus diesem Grund still geworden um mich. Mein Gedanken Karussell dreht sich seit dem letzten Versuch um die Fragen: Will ich das wirklich? Kann ich überhaupt noch? Ist es das wert? Nach einer 3 monatigen Sendepause steuere ich so langsam wieder in Richtung KiWu Klappe die Nächste… Und die Zweifel dürfen einfach mal Platz nehmen und zuschauen. Mein Mantra für 2016: Es ist ok so wie es ist.

    Knitterfee sagte:
    05/03/2016 um 14:12

    Ich finde die Idee, dass man sich selbst aufgibt, wenn man Kinder hat, etwas seltsam.
    Und Dein Zweifeln finde ich natürlich. Ich habe auch Zweifel – aber wer sagt denn, dass das Recht auf Zweifeln an der eigenen Bereitschaft nur denjenigen vorbehalten ist, die aus Versehen oder geplant, aber eben schwuppdiwupps schwanger werden?
    Ich finde, auch wir haben ein Recht auf Zweifel.

    Und: Die Sprüche von Eltern sind ein Grund, warum ich mich zumindest derzeit von Menschen mit kleinen Kindern fernhalte. Es ist nicht nur der schmerzhafte Neid und der Kindergeruch, die mich wahnsinnig machen, sondern auch, dass es so scheint, als wüssten Eltern ihre Kinder nicht zu schätzen. Was nicht stimmt, aber so wirken kann, nach mehreren Nächten mit zu wenig oder gar keinem Schlaf, explodierten Windeln und Tränen.

      believe geantwortet:
      05/03/2016 um 15:04

      Wahre Worte.

      Was ich am traurigsten finde ist, dass die positiven Dinge einfach gar nicht erwähnt werden.
      Ein schöner Spaziergang (den ich heute mit dem Mann gemacht habe), wiegt doch viel mehr, als eine viel zu kurze Nacht (weil der Wecker um 5:30 geschellt hat). 😊

    Chrischtl sagte:
    08/03/2016 um 10:42

    Bevor ich Mutter war erschien mir das Gejammer von Eltern über ihre Kinder auch immer „falsch“. Da haben die das Glück, das man sich sehnlichst wünscht, und wissen es gar nicht zu schätzen.

    Aber ganz ehrlich?! Jetzt jammer ich auch und TROTZDEM würde ich nichts ändern wollen. So ein Zwerg ist wahnsinnig anstrengend und einnehmend aber auch unendlich toll. 3 Stunden Weinen sind nach einer Minute Lächeln und Brabbeln einfach wie weggeblasen. Aber später erzählt man dann trotzdem von der Weinerei. Warum?! Keine Ahnung…

    Vor kurzem lag mein Zwerglein auf meinem Bauch und hat geschlafen und ich hatte plötzlich so unsagbar viel Liebe in mir, dass es mir die Tränen in die Augen getrieben hat.

    Meine liebe believe, es wird schon noch werden und ich bin mir sicher du kämpfst bereits so lange WEIL du dich auf dem RICHTIGEN Weg befindest!

    Ich wünsche dir das nötige Glück! Hoffentlich schon ganz bald!

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